Ich bin ein Kopfmensch – kann ich hypnotisiert werden?
Es kommt gar nicht so selten vor, dass Klienten in meine Hypnosepraxis kommen und ziemlich schnell ihre Bedenken äussern. Bedenken, sie seien womöglich nicht hypnotisierbar, weil sie so rational und analytisch sind. Kopfmenschen eben.
Ich nehme es vorneweg: auch du als Kopfmensch bist wunderbar zu hypnotisieren.
Was viele dieser Menschen nicht wissen oder vollkommen unterschätzen, ist das Verhältnis von Bewusstsein zum Unterbewusstsein.
Der mentale Eisberg
Nun kann ich nicht mit exakten wissenschaftlichen Daten aufwarten, da es je nach Quelle unterschiedliche Zahlen gibt, aber das Verhältnis sieht wie folgt aus:
Der bewusste Teil deines Verstandes, zu dem Logik, Ratio, Analytik, Zahlen, Daten, Fakten und der Wille gezählt werden, macht je nach Quelle 20 bis 0,1 Prozent des gesamten Verstandes aus.
Der unbewusste Teil deines Verstandes macht demnach 80 bis 99,9 Prozent aus. Dort geht es um Instinkte und Triebe, Fantasie, Farben, Formen und Bilder. Es ist der Sitz der Emotionen. Verhaltensmuster und Gewohnheiten sind dort abgespeichert.
Ich verwende gerne das Verhältnis 5 Prozent Bewusstsein und 95 Prozent Unterbewusstsein. Das bedeutet, dass 95 Prozent von allem, was du den ganzen Tag denkst, fühlst oder tust vom Unterbewusstsein gesteuert wird.
Um beim Eisberg zu bleiben: Auch ein sehr grosser Teil deiner Gedanken kommen aus den Tiefen unter der Wasseroberfläche. Wir merken nicht, ob Gedanken vom Bewusstsein oder Unterbewusstsein kommen.
Gedanken und Emotionen
Immer wieder kehrende Gedanken werden aber ebenso vom Unterbewusstsein produziert wie langanhaltende Verhaltensmuster, die darin verankert sind.
Wenn du zum Beispiel Prüfungsangst hast, dann löst der reine Gedanke an die Prüfung die Angst samt ihren Symptomen aus wie zum Beispiel Druck auf der Brust, ein sich zusammenziehender Magen, Herzklopfen und zittrige Hände.
Ohne jeglichen Gedanken an die Prüfung würde die Angst nicht ausgelöst.
Sobald du an eine bevorstehende Prüfung denkst, erinnert sich das Unterbewusstsein an vergangene Prüfungen.
Prompt kommen die damit abgespeicherten unangenehmen Erfahrungen als Gedanken dazu. Wie du damals schon Angst hattest, wie du durchgefallen bist oder wie knapp du die Prüfung geschafft hast. Das wiederum löst die damit verbundenen Angstsymptome aus.
Angst ist immer ein Schutz vor Gefahr.
Daher schickt dir das Unterbewusstsein die Gedanken an die Prüfung immer wieder und wieder. Es will dich vor etwas bewahren. Nur ist es mit dem Bewusstsein in den allermeisten Fällen nicht nachvollziehbar, vor welcher Gefahr genau du beschützt werden sollst.
Wenn du an eine bevorstehende Prüfung denkst, erinnert sich das Unterbewusstsein aber nicht nur an vergangene Prüfungen, sondern vor allem an das Ereignis, das die Angst ursächlich einmal ausgelöst hat.
Das Unterbewusstsein arbeitet nicht logisch, sondern verknüpft das Bild und die Emotion einer früheren Erfahrung mit einer aktuellen Situation.
Das ist auch beim Kopfmensch so
Ein Kopfmensch hat gelernt, sich mehr auf seine intellektuellen Fähigkeiten zu verlassen als auf das Bauchgefühl, allgemein auf seine Gefühle und auf seine Intuition. Letztere sind genau die Fähigkeiten, die im Unterbewusstsein angesiedelt sind.
Wenn Kopfmenschen dennoch in meine Praxis kommen, tun sie das, weil sie offen sind und/oder nicht mehr weiter wissen mit ihrem Problem.
Oft kommt dann die Aussage: „Ich bin offen für Hypnose, glaube aber nicht, dass ich hypnotisierbar bin, weil ich so verkopft bin“.
Das ist schon die halbe Miete, dass die Hypnose klappt: offen sein und bereit sein, sich darauf einzulassen.
Ich mache dann wie immer ein ausführliches Vorgespräch und kläre die Klienten auf, was Hypnose ist und wie wir vorgehen. Weiter erkläre ich das Verhältnis Bewusstsein versus Unterbewusstsein. Und nach einigen Suggestibilitätstests sind auch die Kopfmenschen schnell überzeugt, dass sie gut hypnotisiert werden können. Meine Erfahrung bestätigt das.